BlogFachbegriffNähtippSchnitttechnik

Nahtzugabe

Schnitt-mit-1-cm-Nahtzugabe

Was du unbedingt über Nahtzugaben wissen solltest:

Hast du schon mal darüber nachgedacht, weshalb industriell gefertigte Modelle auch von innen so sauber und ordentlich aussehen?

Und du möchtest das auch gerne bei deinen genähten Stücken so haben?

Dann sind die folgenden Zeilen für dich sehr wichtig.

Um beim Nähen ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist eine gründliche Vorbereitung nötig.

Das geht bereits vor dem Zuschneiden mit dem Schnitt los.

Am Papierschnitt sollten deshalb bereits alle Nahtzugaben angezeichnet sein.

Das wird in der Industrie immer so gemacht und auch beim privaten Nähen wird alles dadurch viel einfacher und genauer.

Es gilt: „Je genauer dein Zuschnitt ist, umso sauberer, besser und schneller lässt sich alles nähen“.

Schnitt-mit-1-cm-Nahtzugabe 

Damit auch dein Schnitt perfekt vorbereitet werden kann, zeige ich Dir hier wichtige Basics über Nahtzugaben.

Wie breit müssen Nahtzugaben sein?

In der Industrie gilt die Regel: alle Standard – Nahtzugaben sind 1 cm breit.

Mit dieser 1 cm Nahtzugabe kommt man beim Nähen auch an komplizierten Stellen sehr gut zurecht.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen (denn wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel…)

An Seitennähten oder in der Hinteren Mitte, besonders dann, wenn ein Reißverschluss eingearbeitet wird, werden auch breitere Nahtzugaben (1,5 cm oder 2 cm) angestellt.

1,5-cm-Nahtzugabe-hintere-Mitte

Wenn solche breiteren Nahtzugaben am Schnitt sind, dann wird dafür immer ein Knips/Zwick gemacht, damit beim Zusammennähen auch die richtige Naht – Breite abgenäht wird. An Nähten an denen keine Knipse/Zwicke sind gilt somit die 1 cm Regel.

Knips-für-1,5-cm-Nahtzugabe
Knips bei breiterer Nahtzugabe

Das siehst du hier auf dem Foto

Eine weitere Ausnahme sind Saumzugaben.

Bei Blusen oder Jeanshosen gibt man meist 2 cm Saumzugabe zu und schlägt beim Nähen 2 x 1 cm ein. Hier ein Foto mit einem Blusensaum und einem Jeanshosensaum

eanssaum-Blusensaum-2-x-1cm 

Bei Röcken, Kleidern, Jacken und Hosen werden meist 3 cm oder 4 cm breite Säume zugegeben und der Saum wird von außen unsichtbar angenäht.

 

Manchmal wird auch nur eine Nahtzugabe von 0,7 cm oder 0,75 cm gemacht, das würde ich dir aber auf keinen Fall empfehlen. Wenn du bei solch einer schmalen Nahtzugabe einen Knips/Zwick von 0,5 cm Tiefe machst, passiert es ganz schnell, dass er ein wenig zu tief ist und in deiner Naht ein Loch entsteht. Da bist du bei einer Nahtzugabe von 1 cm immer auf der sicheren Seite.

Wenn du einen Fertigschnitt verwendest, schaue vorher nach, ob bereits Nahtzugaben angestellt sind und wenn ja, wie breit diese sind.

Was gehört noch zu Nahtzugaben dazu?

Wenn du einen Papierschnitt vorbereitest und die Nahtzugaben anzeichnest, dann kannst du auch gleich wichtige Knipse/Zwicke einzeichnen, die dir das Nähen erleichtern werden.

Wieso sind zu breite Nahtzugaben ungeeignet?

In manchen Nähanleitungen wird für alle Nähte eine Nahtzugabe von 1,5 cm empfohlen. Das erschwert dir aber oft die Näharbeit.

Es ist z.B. schwierig, einen Ärmel mit einer Nahtzugabe von 1,5 cm ins Armloch einzunähen, da man hier entgegengesetzte Rundungen hat.

Armausschnitt und Armkugel

 

Auch bei unterschiedlich gerundeten Schnittteilen wie hier an diesem Vorderteil und seitlichen Vorderteil, die zusammengenäht werden müssen, kommt man mit der 1 cm Nahtzugabe viel besser zurecht.

Wenn du unsicher bist ob der Schnitt passt:

Wenn du Angst hast, dass dir ein Modell nicht passt, mache auf keinen Fall den Fehler und gebe rundum einfach mehr Nahtzugabe zu. Die Passform wird so nicht besser und das Nähen umso schwieriger.

Messe dich immer genau aus und vergleiche Deine Maße mit den angegebenen Maßtabellen.

Mein Tipp 1

Wenn du zwischen zwei Größen in der Maßtabelle bist, dann nimm für deinen Schnitt immer die größere Größe.

Es ist viel einfacher, bei der Anprobe etwas Weite wegzunehmen, als sie dazuzugeben.

Mein Tipp 2

Nähe vorher immer ein Probeteil, dafür kannst du auch einen alten Bettbezug, oder eine alte Gardine oder halt einfach einen preisgünstigen anderen Stoff nehmen.

An diesem Modell kannst du die Passform testen und alle Änderungen, die du machen must daran ausprobieren. Diese Änderungen überträgst du später auf deinen Schnitt und erst wenn alles perfekt ist, dann schneidest du dein Modell aus dem Originalstoff zu.

Mein Tipp 3

Wenn du dir ein Kleidungsstück nähst hast du vielleicht ein ähnliches Teil schon im Kleiderschrank.

Vergleiche die Weiten- und Längenmaße mit denen deines neuen Schnittes. Wenn sie sich ähneln, dann bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Wenn die Maße aber ganz anders sind, dann überlege dir, ob du das so möchtest und nähe unbedingt ein Probeteil.

Mit der Zeit hast du dann immer mehr Schnitte, die dir passen und die du mit neuen Schnitten vergleichen kannst.

Wie zeichnest du am besten die Nahtzugaben an den Schnitt?

Dazu ist es gut, wenn du mit einem großen Geodreieck (30 cm lang) arbeitest. Es sollte außerdem zur einfacheren Handhabung einen Haltegriff haben.

Du zeichnest parallel zu deinen Schnittumrisslinien die Nahtzugaben an. Arbeite besonders auch an den Rundungen sehr genau, mit etwas Übung klappt das bald sehr gut.

Wie messe ich die Nahtlängen z.B. von Armloch und Armkugel?

Dazu benutzt du ein Maßband und stellst es senkrecht auf der Nahtlinie auf. Auf keinen Fall an der Kante der Nahtzugabe messen, denn bei Rundungen stimmen Nahtlänge und Kantenlänge nicht überein.

Das waren jetzt einige wichtige Hinweise in Bezug auf Nahtzugaben, wenn du hier genau arbeitest, dann wird dein Zuschnitt auch genau sein und dein Nähergebnis wird auch sauber und ordentlich sein.

Wenn du mehr über Nahtzugaben und ihre Verarbeitung wissen willst, dann schaue Dir dazu den Artikel: „Nahtzugaben verarbeiten, bügeln und absteppen“ an.

Ich wünsche dir viel Näherfolg

Deine Elsa von www.näh-gern-gut.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.